
28 April 2016

Stefan Rechtseiner (1980), in Zürich geboren, studierte nach einer Lehre als Hochbauzeichner Industrial Design an der FHNW. Anschliessend absolvierte er den Master in Design an der FH Potsdam.
Patrick Rüegg (1983), in Zürich geboren, legte seine Matura am Schweizerisch-italienischen Kunstgymnasium Liceo-Artistico in Zürich ab und studierte ebenfalls Industrial Design an der FHNW.
Zusammen sind sie Velt.
Kennen gelernt haben sie sich im Studium, nach Berlin gezogen sind sie unabhängig voneinander und begannen dort später mit gemeinsamen Projekten. Sie gründeten ihr Label «Velt» 2012, bauten einen Co-Working Space mit 50 Kreativen und diversen Werkstätten auf und denken am liebsten über Design nach.
Die Zitate und Antworten sind Aufzeichnungen aus einem Gespräch zwischen den beiden Designern.
Welche Bedeutung hat das Konzept von UTOPIA im Rahmen eurer Praxis, Methoden und Strategien?

“Das Schwierigste ist es, die eigene Utopie nicht zu verlieren.”
“Ideologie ist der Antrieb für gutes Design.”
“Designer sind Idealisten, wer sonst würde so viel arbeiten für so wenig Geld.”
“Als Designer muss man Idealist sein.”
“Ansprüche, Ideologien und Utopien sind unser wertvollstes Gut.”
Die eigenen Arbeiten an einem übergeordnetem Ziel auszurichten ist vermutlich die stärkste Kraft um Grosses zu erschaffen. Es benötigt eine starke Vorstellung wie eine andere Zukunft aussehen könnte, nur so generiert sich eine Aussage und lässt sich über eine längere Zeit was verändern.
Bis eine Idee Früchte trägt ist einiges an Entbehrung und Durchhaltewillen erforderlich. Diese lange Zeit des Reifens lässt sich nur mit den eigenen Idealen überbrücken. Hinzu kommt, dass ohne eigene Ansprüche auch nur mittelmäßige Resultate entstehen. In diesem Sinn, sind Ansprüche, Ideologien und Utopien unser wertvollstes Gut.

‘Utopia’ kann als mentale Konstruktion eines idealen Systems oder als Modell der Zivilgesellschaft verstanden werden. Wie seht Ihr die Rolle der kreativen Praxis in dieser Hinsicht? Oder anders gefragt: Kann Design Gesellschaft verändern?
“Utopia gedeiht, sobald wir Statussymbole achten, die entmaterialisiert sind und Allen zugute kommen.”
Design ist eines von vielen Werkzeugen um auf die Welt Einfluss zu nehmen. Ein einzelnes Produkt verfügt jedoch nicht über die Kraft die ganze Gesellschaft zu verändern. Es muss in grösseren Utopien gedacht werden, in Systemen oder Organisationen. Die wiederum bis ins kleinste Detail darauf achten müssen, dass ihre Produkte den eigenen Idealen entsprechen.
Designer können dies beeinflussen, indem Sie Produkte langlebig planen, auf Qualität achten, umweltgerecht Materialien verwenden und eine energiearme Produktion bevorzugen, die auch ethisch all ihren Standpunkten gerecht wird. Wie Produkte nach dessen Ableben wieder in den Kreislauf der Erde zurück gelangen hat auch mit Design zu tun.

Was inspiriert euch? Gibt es Manifeste, Publikationen oder Denker, die eure Arbeit oder Einstellung beeinflusst haben?
Michael Braungart – Cradle to Cradle
Lucius Burckhardt – Design = unsichtbar
Claude Lichtenstein – Spielwitz und Klarheit
Jasper Morrison
Mehr über Velt hier.